Taetigkeitsbericht-BZA-Muenchen

»Bericht zum VT-Betrieb und zur VT-Beschaf­fung 1957

Taetigkeitsbericht-BZA-MuenchenJedes Jahr ver­öf­fent­lichte das BZA Mün­chen einen Tätig­keits­be­richt, dar­aus ver­öf­fent­li­chen wir hier den Bericht über den Diesellok-(DL)Betrieb und die Die­sel­lok­be­schaf­fung. Der Bericht ist im Januar 1958 ver­fasst worden.

b) Die­sel­trieb­wa­gen
Ein bedeut­sa­mer Abschnitt beim Bau der Die­sel­trieb­wa­gen wurde im Jahre 1957 mit der Indienst­stel­lung der Trans-Europ-Express-Züge BR 11.5 abge­schlos­sen. Die Aus­lie­fe­rung der ers­ten Maschi­nen- und Mit­tel­wa­gen der TEE-Züge setzte im April 1957 ein. Der 1. TEE-Zug konnte im Mai 1957 ter­min­ge­mäß anläß­lich der Ver­kehrs­mi­nis­ter­kon­fe­renz in Paris vor­ge­führt wer­den. Am 15.7. wurde der Betrieb mit dem “Saphir” auf­ge­nom­men, es folg­ten am 14.10. der “Hel­ve­tia”, am 2.12. “Rhein-Ruhr” und am 23.12. der “Ruhr-Paris”-Express.

Zu Anfang des Jah­res wur­den die anläß­lich des Baues der TEE-Züge gefor­der­ten Druck­ver­su­che bei den Fir­men MAN und LHB mit Erfolg durch­ge­führt. Den ers­ten Pro­be­fahr­ten folg­ten Lauf­güte- und Geräuschmeß­fahr­ten, anschlie­ßend muß­ten Schu­lungs- und Vor­füh­rungs­fahr­ten im In- und Aus­land durch­ge­führt wer­den, wodurch sich die Inbe­trieb­nahme bis Mitte des Jah­res hin­aus­schob. Ende d J waren alle 7 TEE-Züge ein­schließ­lich der Reser­ve­fahr­zeuge, also 19 VT und 40 Mit­tel­wa­gen, betriebsbereit.

Die Züge haben sich bis­her im Betrieb gut bewährt. Aus­fälle waren 1957 nicht zu ver­zeich­nen. Kurz nach Jah­res­ende waren von den TEE-Ein­hei­ten ins­ge­samt bereits 1 Mio km zurück­ge­legt. Täg­lich wer­den im Durch­schnitt etwa 5 000 km mit den TEE-Zügen gefahren.

Fer­tig­ge­stellt und in Betrieb genom­men wur­den aus frü­he­ren Bestel­lun­gen 8 Stück VT der BR 12.5 sowie 9 Mit­tel­wa­gen die­ser Bau­reihe. Die für diese Züge noch erfor­der­li­chen 5 Steu­er­wa­gen VS der BR 12 wur­den aus umge­bau­ten VS der Bau­reihe 08.5 gewonnen.

Die 1957 in Auf­trag gege­bene Nach­bau­se­rie von 12 Stück Regel­turm­trieb­wa­gen wurde aus­ge­lie­fert, ebenso die Serie D 2s von 15 Steu­er­wa­gen der BR VS 98 für 2-mot. Schje­busse. Letz­tere wur­den erst­mals seri­en­mä­ßig mit Luft­fe­de­rung und Last­ab­brem­sung aus­ge­führt. Durch die Luft­fe­de­rung konnte die Lauf­güte der 2-ach­si­gen Fahr­zeuge erheb­lich ver­bes­sert wer­den. Die Regel­turm­trieb­wa­gen erhiel­ten u a durch aus­zieh­bare mecha­ni­sche Lei­tern, Funk­sprech­ge­räte und ver­stärkte Schein­wer­fer, eine ver­bes­serte Ausrüstung.

Bei den VT 08 501 – 514 wurde der Umbau der Küchen und Anrich­ten, bei allen Fahr­zeu­gen der BR 08.5 der Ein­bau von Gleit­schutz­reg­lern und der Umbau auf KE-Bremse ein­ge­lei­tet und an einem Teil der Fahr­zeuge durch­ge­führt. Auch in alle Fahr­zeuge der BR 12.5 wur­den Gleit­schutz­reg­ler ein­ge­baut. Der Ein­bau der Magnet­schie­nen­bremse in die noch nicht damit aus­ge­rüs­te­ten Schie­nen­om­ni­busse (VT 95.9) konnte noch Ende des Jah­res ein­ge­lei­tet wer­den; die Durch­füh­rung die­ser Arbeit wird sich ange­sichts der Zahl der aus­zu­rüs­ten­den Fahr­zeuge auf 2 – 3 Jahre erstrecken.

Neu bestellt mit Lie­fer­frist zweite Hälfte 1958 wurden

  • 5 VM 11.5 (Abteil­wa­gen für TEE) Nachbau
  • 9 Regel­turm­trieb­wa­gen Nachbau

Nach Ablie­fe­rung der TEE-Züge konn­ten die kon­struk­ti­ven Vor­ar­bei­ten für den VT mitt­le­rer Leis­tung wei­ter­ge­führt wer­den. In die­sem Zusam­men­hang sind die umfang­rei­chen Arbei­ten erwäh­nens­wert, die im Rah­men der Ver­ein­heit­li­chung der Rei­se­zug- und Trieb­wa­gen zu leis­ten sind, beson­ders bei der Wei­ter­ent­wick­lung des Sei­ten­wand­fens­ters Bau­art Mün­chen, der Schwenk­schie­be­tü­ren, der Gum­mi­tü­cher für Über­gangs­schutz­ein­rich­tun­gen und von Bau­tei­len aus Kunststoff.

An den Schie­nen­bus­sen sind ein­ge­hende Unter­su­chun­gen zur Ver­bes­se­rung des Kühl­sys­tems ange­stellt wor­den. Um den Betrieb der Heiz­ge­räte zu ver­ein­fa­chen und die Fahr­zeuge ohne Über­wa­chung im Freien abstel­len zu kön­nen, wurde eine auto­ma­ti­sche Schal­tung für die Heiz­ge­räte ent­wi­ckelt und in eine grö­ßere Zahl Fahr­zeuge ein­ge­baut. Die Ver­bes­se­rung der Lade­ver­hält­nisse für die Bat­te­rien durch Aus­tausch der Licht­ma­schi­nen­an­ker wurde abgeschlossen.

Beim Die­sel­leicht­trieb­zug VTm wur­den meh­rere Pro­jekte für kurze und lange Fahr­zeuge mit Unter­flur­ma­schi­nen­an­la­gen oder einer Maschi­nen­an­lage im Dreh­ge­stell durch­ge­ar­bei­tet. Eine Ent­schei­dung über die end­gül­tige Aus­füh­rung liegt noch nicht vor. Zur Betriebs­er­pro­bung des 350 PS Daim­ler-Unter­flur­mo­tors wur­den 2 Moto­ren die­ses Bau­mus­ters in einen Dop­pel-VT 45 ein­ge­baut. Die Pro­be­fahr­ten ver­lie­fen ohne Beanstandungen.

Wei­ter­hin ste­hen in Ent­wick­lung 1 Schie­nen­om­ni­bus für kom­bi­nier­ten Zahn­stan­gen- und Rei­bungs­be­trieb (für Stre­cke Honau-Lich­ten­stein) sowie ein neuer Die­sel-Aus­sichts­trieb­wa­gen. Auch der jetzt pro­vi­so­risch aus einem 2-mot. Schie­bus und einem Steu­er­wa­gen bestehende Ultra­schall Schie­nen­prüf­zug soll durch eine end­gül­tige Aus­füh­rung ersetzt wer­den; Vor­un­ter­su­chun­gen hier­für sind ein­ge­lei­tet worden.

Über die Die­sel­mo­to­ren ist zu berich­ten, daß die Lauf­leis­tung der 1000 PS-Moto­ren 1957 8 Mio km betrug, die der 1100/1200 PS-Moto­ren infolge der grö­ße­ren Stück­zah­len für V 200 1. Serie und VT 11 18,5 Mio km erreichte. Die stö­rungs­freie Lauf­leis­tung der 1100/1200 PS-Moto­ren betrug hier­bei 3,1 Mio km. Zwei Moto­ren des ver­bes­ser­ten Bau­mus­ters L 12 V 18/21 der MAN wur­den einer ein­ge­hen­den Betriebs­er­pro­bung unter­zo­gen. Die nach einer scha­dens­freien Lauf­leis­tung von 300 000 km ange­setzte Zer­le­gung ergab einen zufrie­den­stel­len­den Befund.

Für die Neu­bau-Die­sel­lok V 100 wurde von Fa Voith ein neues Getriebe mit Wand­ler-Wand­ler-Kupp­lung ent­wi­ckelt, das mit grö­ße­rer Leis­tung in einer wei­te­ren Fort­ent­wick­lung mit Stu­fen­ge­triebe für die V 160 und ohne Stu­fen­ge­triebe für die V 320 vor gese­hen wird. Getriebe mit 3 Gän­gen für 1200 PS Über­tra­gungs­leis­tung sind im Ent­wurf. Das für den VTm vor­ge­se­hene neue Getriebe 4 He 175 von ZF wurde fer­tig­ge­stellt und auf den Prüf­stand genommen.

Auf dem Gebiet Hei­zung, Lüf­tung und Kli­ma­an­la­gen ist her­vor­zu­he­ben die Ent­wick­lung und Her­stel­lung eines Pro­to­typs-Zwangs-Durch­lauf­kes­sels nach ame­ri­ka­ni­schem Sys­tem Vapor-Hea­ting bei deut­scher Lizenz­firma Hagenuk, Kiel, unter Beach­tung der deut­schen Nor­men und Sicher­heits­vor­schrif­ten. Diese Kes­sel­bau­art ist für geplante Die­sel­lok-Neu­bau­ten vor­ge­se­hen und soll auch für ein­ge­schränkte Beauf­sich­ti­gung zuge­las­sen wer­den. Prüf­stands­ver­su­che wur­den erfolg­reich abge­schlos­sen. Fer­ner: Ent­wick­lung und Erpro­bung einer Elek­tro­den­steue­rung für die Was­ser­stand­über­wa­chung von Heiz­dampf­kes­seln auf Diesellok.

Der Ein­bau von Dampf­wär­me­tau­schern für Kühl­was­ser­vor­wär­mung in die 1000 PS-Maschi­nen­an­la­gen der DL V 80 und V 200, sowie der VT 08, und 12 zur Ver­hü­tung von Kor­ro­sio­nen bei direk­ter Dampf­ein­bla­sung wurde begon­nen. Maß­nah­men zur Ver­ein­heit­li­chung der Pintsch- und Hagenuk Ölfeue­rung im mech. und elektr. Teil sowie im Steue­rungs­teil mit dem Ziel frei­zü­gi­ger Ver­wend­bar­keit wur­den ein­ge­lei­tet. Die Ölfeue­run­gen sämt­li­cher VT 06, 07, 08 sowie der VS BR 145 mit Feu­er­luft­hei­zung wurde auf Betrieb mit extra leich­tem Heizöl umge­stellt. Der Betrieb ver­lief stö­rungs­frei. Mit Beginn der Heiz­pe­ri­ode erfolgte die glei­che Umstel­lung auch für Webasto-Heiz­ge­räte. Die Aus­rüs­tung sämt­li­cher VT 08 und 12 mit Schei­ben­klar­an­la­gen anstelle von elek­tri­schen Heiz­schei­ben wurde begon­nen. Ent­wick­lungs­ar­bei­ten für eine Auto­ma­tik und Warm­hal­te­schal­tung für Webasto-Kühl­was­ser­vor­wär­me­ge­räte wur­den ein­ge­lei­tet. Vor­be­rei­tende Ent­wick­lungs­ar­bei­ten für die Hei­zungs­an­lage des Die­sel­leicht­trieb­zu­ges (VTm) wur­den begon­nen. Die Typen­prü­fung der Kli­ma­an­lage des TEE- Zuges wurde vor­ge­nom­men. Für die Heiz­kes­sel auf Die­sel­lok wurde eine Kes­sel­spei­se­was­ser-Auf­be­rei­tung durch­ge­führt. Des­glei­chen wurde zur Ver­mei­dung von Kor­ro­si­ons­er­schei­nun­gen die Anwen­dung einer Kühl­was­ser­be­hand­lung geprüft.

Im Zusam­men­hang mit der Frage einer ein­heit­li­chen Schall­si­gnal­ge­bung der Eisen­bahn­trieb­fahr­zeuge wur­den ein­ge­hende akus­ti­sche Unter­su­chun­gen durchgeführt.

Als Feu­er­schutz der TEE-Züge wurde eine der Bau­weise die­ser Fahr­zeuge angepaßte Feu­er­lösch­an­lage ent­wi­ckelt und ein­ge­baut. Eine ähn­li­che Lösch­an­lage erhielt die Seri­en­bau­art V 200. In Lösch­ver­su­chen sind ver­schie­dene Lösch­mit­tel erprobt wor­den. Für klei­nere Fahr­zeuge wur­den im Ein­ver­neh­men mit ande­ren Groß­ab­neh­mern Tetra­lö­scher in Ein­heits­bau­art und für Kom Tro­cken­lö­scher mit einem Lösch­mit­tel, das sich auch bei Rei­fen­brän­den eig­net, ein­ge­führt. Für die Tetra­lö­scher wur­den Tech­ni­sche Lie­fer­be­din­gun­gen auf­ge­stellt. Für das Trieb­wa­gen-Per­so­nal wurde eine Anwei­sung für die Brand­ver­hü­tung und Brand­be­kämp­fung in Die­sel­fahr­zeu­gen aus­ge­ar­bei­tet. Die Pflege und War­tung der Tro­cken­lö­scher wurde ver­suchs­weise der Lie­fer­firma mit Abschluß eines Kun­den­dienst­ver­tra­ges übertragen.

Aus der Schweiß­tech­nik ist zu berich­ten, daß das Auf­trags­schwei­ßen der Naben­boh­run­gen hoch­fes­ter Rad­schei­ben auf Grund der güns­ti­gen Ver­such­s­er­geb­nisse zuge­las­sen wer­den konnte.

Baureihe VT 06.1, Baureihe VT 06.5, Baureihe VT 07.5, Baureihe VT 08.5, Baureihe VT 11.5, Baureihe VT 12.5, Baureihe VT 45.5, Baureihe VT 55, Baureihe VT 95.91, Baureihe VT 98.95, VS 145

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